Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst:

Frauen*berufe sind Systemrelevant

Die Covid19-Krise hat sehr deutlich gezeigt, dass gewisse Berufe gesellschaftlich zwingend notwendig sind. Dazu zählen die Care-Berufe (Pflege/Kinderbetreuung/Soziale Arbeit), Müllabfuhr, öffentlicher Verkehr, Einzelhandel etc. Weltweit wurde für ihre Leistung geklatscht und Solidarität bekundet. Uns allen ist in dieser Krise klar geworden wie sehr wir diese Berufe brauchen. 75% der systemrelevanten Berufe werden von Frauen* ausgeführt. Sie haben in der Corona-Krise alles zusammen gehalten und viel Mehrarbeit geleistet. Diese Berufsgruppen werden im Schnitt schlecht bezahlt und haben oft mit schlechten Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Viele von ihnen sind im Tarif öffentlicher Dienst (TVÖD), der ab September zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber*innen neu verhandelt wird.

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst

In den Tarifverhandlungen werden Lohn und Arbeitsbedingungen der öffentlichen Beschäftigten ausgehandelt. Die Gewerkschaften (als Vertretung der Arbeitnehmer*innen) versuchten die Verhandlungen, auf Grund der Corona-Krise ins Frühjahr 2021 zu verschieben, darauf wollten sich die Arbeitgeber*innen nicht einlassen. Im Bereich des TVÖD sind die Arbeitgeber*innen die Kommunen, also die von uns gewählte und von Steuergeldern finanzierte politische Vertretung. Nun starten die Verhandlungen am 01.09.2020. Obwohl diese Berufsgruppen noch vor einigen Wochen überall als systemrelevant gepriesen und ihre Leistungen vielerorts beklatscht wurden, haben die Arbeitgeber*innen verlauten lassen, dass sie sich eine Null-Runde, max. Inflationsausgleich vorstellen (das heißt keine Lohnerhöhung in der Vertragslaufzeit von 3-4 Jahren)! Das dürfen sich die Beschäftigten nicht gefallen lassen und es wird daher zu Arbeitskämpfen und Streiks kommen! Von symbolischen Gesten wie Klatschen kann niemand seine Miete zahlen! Wir als Gesellschaft sind angewiesen auf diese Berufe, unterstützen wir sie daher in ihren Forderungen und in ihrem Arbeitskampf!

 

Diese Tarifrunde ist Frauen*kampf

Dieser Kampf um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen betrifft viele ‚systemrelevante Bereiche‘ und daher vor allem uns Frauen*, denn wir stellen die Mehrheit in der Pflege, Kindererziehung und im Sozial- und Erziehungsdienst. Obwohl wir 75% der Arbeit in gesellschaftlich notwendigen Berufen leisten, werden wir immer noch unterdurchschnittlich bezahlt und zusätzlich durch den Personalmangel überbelastet. Ganz zu schweigen von den 80% der Hausarbeit, Kindererziehung und der familiären Pflegearbeit, die unentgeltlich von uns Frauen* geleistet wird. Das hat besonders während Corona nochmal zugenommen. Was wir alles leisten, muss endlich anerkannt und honoriert werden! Die Tarifverhandlungen sind daher Teil des Frauen*kampfes. Aber nicht nur Frauen*kampf der weiblichen Beschäftigten, sondern auch Frauen*kampf aller Frauen*, denn jede Einschränkung oder Kürzung in der öffentlichen Versorgung wird auf die Schultern der Frauen* abgewälzt! Die unbezahlte Reproduktionsarbeit (Haushalt, Erziehung, Pflege, etc.) steigt!

Kämpfen wir also gemeinsam Schwestern*! Für bessere Bezahlung von Frauen*berufen, für die Vergesellschaftung von Reproduktionsarbeit, für Solidarität statt Ausbeutung und konkret für einen guten Tarifabschluss!

 

Solidarität muss praktisch werden!

Corona hat gezeigt, dass Gesellschaft nur mit Solidarität funktioniert. Es ist sehr deutlich geworden, wie sehr wir auf gewisse Berufsgruppen angewiesen sind. Es ist Zeit den kommunalen Arbeitgeber*innen zu zeigen, dass für uns Solidarität nicht beim Klatschen stehen bleiben darf, sondern wirkliche Verbesserungen her müssen! Und das wir als Gesellschaft nicht zuschauen, dass Millionen Steuergelder in Unternehmen gepumpt werden, die dann trotzdem Gewinnausschüttungen an Aktionär*innen zahlen (wie etwa BMW) und gleichzeitig schlecht bezahlte, systemrelevante Frauen*berufe die nächsten vier Jahre ohne Gehaltserhöhung auskommen sollen! Zeigen wir uns solidarisch, kämpfen wir gemeinsam für eine gerechtere Welt!

 

P.S.: Liebe Eltern, Patient*innen, Angehörige, lasst den Frust nach Oben los! Unterstützt eure Erzieher*innen und Pfleger*innen im Arbeitskampf. Sie verdienen Anerkennung, Wertschätzung, gute Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt! Seid wütend auf die Richtigen: die Arbeitgeber*innen!